Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Sind wir wirklich schon im Advent? Muss wohl so sein. Die Weihnachtsmärkte haben Hochbetrieb, Häuser sind festlich beleuchtet und von allüberall her tönt schon Weihnachtsmusik. Weihnachtsbäume strecken sich in die Höhe und die Menschen hetzen durch die Läden auf der Suche nach dem teuersten, schönsten, besten, interessantesten usw. Weihnachtsgeschenk. Und der Dortmunder Musikverein warb unlängst mit „vorweihnachtlicher Adventsmusik“ für sein Konzert und sicherte sich mit diesem weißen Schimmel die Lacher der halben Stadt.

Aber wie viele Menschen machen sich überhaupt noch bewusst, was Advent überhaupt ist? Was haben wir daraus gemacht? Sehen wir ihn nur als Endspurt auf einen Jahreshöhepunkt, ein sentimentales Fest voller Glitzer und Glimmer, Weihnachtsmänner und teurer Geschenke? Ein Fest, zu dem man – alle Jahre wieder – die Familie um sich versammelt, übermäßig viel isst und in die Kirche geht, um sich noch etwas mehr sentimentale Weihnachtsstimmung abzuholen und altbekannte Weihnachtsschlager zu singen?

Also, was ist nun der Advent? Das Wort selbst leitet sich vom lateinischen „adventus“ ab, was „Ankunft“ bedeutet. Traditionell gilt er in der christlichen Welt als Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt des Messias. Er ist als Besinnungszeit gedacht, als Zeit, in sich zu gehen und sich innerlich auf dieses Fest vorzubereiten. Immerhin hat dieser Messias uns eine wichtige Botschaft vermittelt: „dass dieser Mann ein Fürsprecher beim Schöpfer ist; und dass – wie ihr es in eurer materiellen Erfahrung seht – Leben aus dem Nichts kommt, um in die Stofflichkeit einzutreten, um ein LEBENDER Ausdruck der Stimmen des Herzens zu werden. Das war die Erfahrung dieser Seele in ihren verschiedenen Sphären des Bewusstseins: einen solchen Ausdruck zu geben. Das ist der Zweck, für den sie eingetreten ist – ein vollkommeneres Konzept von den Beziehungen des Menschen zum Schöpfer zu geben.“ (Reading 262-103) Bei diesem letzten Satz bekomme ich immer Gänsehaut …

Doch Besinnung – die ist in unserer hektischen Zeit nicht leicht. Gerade in dieser Zeit scheint sich die Arbeit nur so zu türmen. Auch bei mir stapeln sich die Aufträge. Es scheint, als ob alles noch vor Weihnachten erledigt sein muss, als ob sich Unternehmen jetzt noch an Geld erinnern, das bis Jahresende ausgegeben werden muss. Knappe Abgabetermine, Wochenendarbeit und Überstunden zerren an meinen Nerven.

KerzeUnd doch bemühe ich mich jedes Jahr, meine tägliche Routine etwas festlicher zu gestalten, mehr zu meditieren, außer der Reihe schöne Musik zu hören und insgesamt meine knappe Freizeit etwas zu entschleunigen. Dazu gehört auch, dass ich etwas früher aufstehe und die Frühstückszeit verlängere, dazu eine Kerze anzünde und ganz geruhsam in den Tag starte.

Und am 1. Advent habe ich mir wieder das Weihnachts-Reading hervorgeholt, das ich letztes Jahr für Euch übersetzt hatte: „Er kam zu Seinesgleichen“. Darin lese ich jetzt wieder, ganz langsam, Absatz für Absatz, jeden Tag ein bisschen. Und die Faszination ist die gleiche, die ich beim Übersetzen hatte – ein Staunen, eine Ehrfurcht vor der tiefen Botschaft, die der Text enthält.

„Dies also ist in JEDER Geburt enthalten – die Möglichkeiten, die Herrlichkeiten, der Beginn der Einflussnahme auf den erneuten Eintritt des Gottmenschen auf der Erde, damit der Mensch den Weg erkennen möge.
So erfolgt dies zu dieser Zeit, um in die Herzen und den Verstand jener in der Frohen Zeit die Tatsache zu bringen, dass Er nicht nur vor 1900 Jahren, sondern HEUTE, in eurem eigenen Bewusstsein, eurem eigenen Verständnis geboren werden kann; Er kommt zu Seinesgleichen! […]
Dann sollte in der Tat jeder von euch zu dieser Frohen Jahreszeit durch seine eigene Freude an der Geburt, dem Leben, dem Tod eures Jesus, eures Christus, das Herz anderer fröhlich machen!“

Ja, dass wir uns dies bewusst machen: Das ist die Bedeutung des Advents.

http://cayceportal.wordpress.com/2012/12/18/er-kam-zu-seinesgleichen/

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