Gott in den Cayce-Readings

Eigentlich sollte dieser Artikel von Meditation handeln. Edgars Readings zufolge kann und sollte Meditation unter anderem eine Begegnung mit Gott bedeuten – aber wer oder was ist „Gott“ überhaupt? Der alte Mann mit dem weißen Rauschebart, der allumfassende Geist, das ewig gleichbleibende Über-Allem-Stehende oder nur ein Produkt überbordender Phantasie oder der Sehnsucht nach Höherem?

Ist Gott einer oder mehrere, da draußen oder hier drinnen, über uns oder unter uns, ist er an universelle Gesetze gebunden oder steht er über solchen Gesetzen? Vielleicht ist Gott aber auch die alles verbindende Matrix, das „Nullpunktfeld“ beziehungsweise ein universelles Energiefeld, wie es uns Forscher wie Gregg Braden oder Lynne McTaggart nahe bringen?

Fragen über Fragen, die uns niemand so recht beantworten kann, weil das Thema „Gott“ doch letztlich sehr persönlich ist und jeder Definitionsversuch einschränkend und lückenhaft bleiben muss.

Edgar Cayce war Christ und sein Gottverständnis war immer vom Christentum geprägt. Doch in den Readings begegnen wir einem anderen Edgar, einem, der die Menschen, die dazu bereit sind, ermutigt, über ihren Horizont hinauszusehen. Denn:

„Wir müssen uns daran erinnern, dass die Cayce-Readings für eine Vielzahl von Einzelpersonen gegeben wurden. Wir sollten auch daran denken, dass Cayces Quelle auf das Bewusstsein der Person eingestimmt war, zu der sie sprach, und dass Informationen so gegeben wurden, dass diese Person sie verstehen konnte. Stellte sich diese Person zum Beispiel Gott als anthropomorph vor (mit menschenähnlichen Eigenschaften, Gefühlen und Zügen), wie es häufig in der Bibel dargestellt wird, so wurde in den Readings „Er“ bzw. „Ihm“ in Bezug auf Gott verwendet, so wie man es bei einer männlichen Person kennt. Cayces Quelle war daran interessiert, Menschen zu helfen und nicht, ihr Konzept von Gott zu ändern, obwohl in den Readings häufig davon gesprochen wurde, wie die Beziehung einer Person zu Gott verbessert werden könnte.
Für Menschen, die für ein breiter gefächertes Konzept offen waren oder Fragen bezüglich des Wesens von Gott stellten, sprachen die Readings von Gott als einem alles erfüllenden Geist der Liebe und wiesen darauf hin, dass die Beziehung zu diesem Geist so persönlich sein kann, wie die jeweilige Person es wünscht; dass Gott jedem von uns zugänglich ist und dass wir direkt mit diesem Geist bzw. dieser Gegenwart kommunizieren können, wenn wir das wollen.
(Bruce McArthur in „Your Life – Why It Is the Way It Is and What You Can Do About It“, Seite 128, Übersetzung)

Ich selber wurde katholisch erzogen und bin sehr dankbar dafür, denn dadurch wurde ich offen für ein mystisches, spirituelles Bild von Gott. Glaube – den lebten mir meine Eltern vor, der entwickelte sich ständig weiter, der war nie statisch. Als ich zum ersten Mal mit Edgars Aussagen über Gott in Berührung kam, empfand ich sie deshalb als sehr tiefgreifend und für mich verständlich. Und je mehr ich mich damit auseinander setzte, desto deutlicher wurde mir, dass Gott nicht wirklich greifbar oder erklärbar ist, dass er/sie/es sich nur in der persönlichen Erfahrung zeigt und dass wir uns dafür nach innen wenden müssen.

Nachfolgend habe ich mal einige besonders prägnante Ausschnitte aufgeführt, die mich am meisten ansprechen:

„Denn wisse – der Herr, dein Gott, ist Einer. Und alles, was du vom Guten wissen magst, muss zunächst im Selbst sein. Alles, was du von Gott wissen magst, muss durch dich selbst manifestiert sein. Von Ihm hören ist nicht gleich wissen. Anwenden und leben und sein – DAS bedeutet wissen!“ (Reading 2936-2)

„Es ist gesagt worden, dass es nur einen Geist gibt. Alle Äußerungen des Lebens auf jeder Ebene des Bewusstseins sind Kristallisationen des Geistes.“ Buch Suche nach Gott, Band 2, Kapitel 12, Seite 169

Foto: Markus Wegner, pixelio.de

Besonders faszinierend finde ich, was in den Readings über uns Menschen gesagt wird. Jeder von uns ist ein Teil Gottes, ist verbunden mit dieser Überall-Präsenz. Und wenn jeder von uns mit Gott verbunden ist, sind wir doch alle miteinander verbunden – oder? Und wenn es in den Readings heißt „Gott will, dass du eins mit Ihm bist“, so bedeutet das: Wir sind schon eins mit Gott – wir müssen uns dessen nur bewusst werden.

„Wir sehen uns als Körper, Geist und Seele; jedes davon mit seinen eigenen Eigenschaften und seiner Tätigkeit auf der Erde. Eine Wesenheit ist daher ein Muster dessen, was auch eine spirituelle Tatsache ist; Vater, Sohn, Heiliger Geist. Diese sind eins, ebenso wie die einzelne Wesenheit eins ist. Eine Wesenheit ist daher das Muster des Göttlichen in der Stofflichkeit, d.h. auf der Erde.“ (Reading 3357-2)

„(Frage) Aus welchem Grund bin ich dieses Mal inkarniert?
(Antwort) … auf dass du ein Licht in Seinem Namen seist … denn wir alle … sind Götter in der Entwicklung; nicht der Gott, sondern Götter in der Entwicklung! Denn Er will, dass du eins mit Ihm bist.“ (Reading 877-21)

Stopp mal: Wir sind Götter in der Entwicklung?!? Ja tatsächlich, und das steht sogar in der Bibel: „Ihr seid Götter, Söhne des Höchsten seid ihr alle!“ (Psalm 82,6)

„Denn im Anfang sprach Gott ‚Es werde Licht’. Du bist einer dieser Lichtfunken mit allen Fähigkeiten des Erschaffens, mit allem Wissen von Gott.“ (Reading 5367-1)

Ich finde, das ist ein überaus kraftvolles Gott-Konzept. Tatsächlich haben wir alle Fähigkeiten, unser Leben, unser Umfeld, unsere Welt nach unseren Wünschen zu gestalten. Und das tun wir auch, nur sind wir uns dessen meist nicht bewusst. Was könnten wir alles erreichen, wenn wir unseren freien Willen ganz bewusst nutzen würden?

Es gibt heute viele populärwissenschaftliche Bücher, die sich auf quantenphysikalischer Ebene mit dieser Thematik beschäftigen und indirekt  zahlreiche Aussagen von Edgar bestätigen, auch wenn das Wort „Gott“ meist nicht erwähnt wird. Mehr denn je haben wir heute Zugang zu Wissen, das es uns ermöglicht, unser wahres, inneres, göttliches Ich zu entdecken und auszuleben – wenn wir das wollen. Es liegt an uns.

Lesestoff für Interessierte: „Suche nach Gott„, Buch 1, Buch 2. Die Bücher basieren auf Edgars Readings und wurden ab 1939 von der Norfolk Study Group zusammengestellt.

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