Hingabe und Leidenschaft

Dieses Wochenende hatte es in sich: Freitagabend ging es los – bis Sonntagnachmittag lief volles Programm beim Tai Chi Chuan-Seminar. Nun sind ja schon die wöchentlichen Übungsstunden vollgepackt mit kraftvoller Energie, da kann man sich vorstellen, was so ein ganzes Seminar „anrichtet“!

Aber nicht nur das Bewegen in der Form ist wichtig, sondern auch das Zuhören. Aus dem, was der Lehrer von seinen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen erzählt, kann man viel für sich herausholen. So erzählte der Seminarleiter diesmal unter anderem, wie er 1978 als junger Mann zum Tai Chi kam und dass er sich, als er anfing, zu unterrichten, nie die Frage gestellt hatte, ob man „davon leben“ könne. Wie seine Augen dabei leuchteten …

In einer der Pausen sprach er dann davon, dass er manchmal, wenn er in der Kirche sitzt und der Pfarrer das Evangelium liest, bei sich denkt: „Junge, weißt du überhaupt, was du da liest? Da steckt so viel drin und du liest es einfach so herunter.“ Spontan sagte ich: „Man sollte alles, was man tut, mit Leidenschaft tun.“ Eigentlich wollte ich gar nichts sagen. Es kam einfach so.

Und fast gleichzeitig wanderten meine Gedanken zu Edgar Cayce. Ich dachte an seine Liebe zur Bibel, die für ihn das „Buch der Bücher“ war. Zeit seines Lebens las er sie einmal im Jahr durch. Wo er und seine Familie auch hinzogen, sie suchten und fanden immer eine Gemeinde, in die sie sich einbringen konnten. Schon als junger Erwachsener und bis zu seinem Lebensende war Edgar Sonntagsschullehrer und sein Unterricht war so packend, mitreißend und überzeugend, dass viele seiner Schüler später eine geistliche Laufbahn einschlugen und auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften kamen, um ihm zu lauschen. Am liebsten bezeichnete er sich als „Mann Gottes“.

Als er seine Gabe, als „Kanal“ zu dienen, schließlich ganz annahm, widmete er sich auch ihr aus vollem Herzen und mit ganzer Leidenschaft. Trotz vieler Rückschläge, Verleumdungen und Zurückweisungen, unter denen er und seine Familie wirklich sehr litten, hielt man zusammen und blieb standhaft. Edgar und seine Familie hatten erkannt, dass sie Gott und den Menschen auf ihre ureigenste Weise am besten dienen konnten.

Nur die Leidenschaft, die Hingabe und vor allem natürlich die Liebe verleihen uns die nötige Kraft, Stärke und Zielstrebigkeit, unsere wahre Bestimmung allen Hindernissen zum Trotz zu finden und zu leben. Und nur so können wir Begeisterung, Leidenschaft und Hingabe auch in anderen entfachen, damit sie das Licht in ihrem Leben entdecken und den Mut und die Stärke aufbringen, ihre ganz eigene Bestimmung zu finden und zu leben. Vielleicht merken wir das gar nicht; vielleicht geschieht das erst Jahre, nachdem sie wieder aus unserem Leben verschwunden sind; doch wir dürfen sicher sein, das wir einen Samen in ihnen gepflanzt haben. So erfüllen wir das, was in Edgars Reading 3340-1 „das ganze Gesetz“ genannt wird:

„‘Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, deinem Verstand und deiner Seele, und deinen Nächsten wie dich selbst.’ Dies ist das ganze Gesetz und der Rest ist nur eine Erklärung desselben.“

Lasst uns etwas suchen, das unser Herz erfreut; das uns ganz und gar erfüllt und unseren schöpferischen Kräften einen Kanal bietet. Haben wir es schließlich gefunden, dürfen wir es nie mehr aus den Augen verlieren und müssen zielstrebig darauf hinwirken. Das ist unser persönliches Ideal, gegründet auf Liebe, aufrecht erhalten durch Leidenschaft und Hingabe.

Unser Seminarleiter hat im Laufe der Jahre eine erfolgreiche Tai Chi-Schule aufgebaut. Heute bildet er selber Lehrer aus und ist Meisterschüler des derzeitigen Vertreters dieses besonderen Tai Chi-Stils. Ganz sicher wird seine Schule noch viele Jahrzehnte weiter bestehen und er wird noch jahrelang viele Menschen mit seiner bestimmten, freundlichen, lockeren Art berühren. Er lebt seine Bestimmung.

Der Pfarrer, der das Evangelium „einfach so herunterliest“ und seinen Gottesdienst auch ansonsten nur „herunterleiert“, lebt seine Bestimmung vermutlich nicht. Vielleicht hat irgendwo irgendetwas dazu geführt, dass er sie aus den Augen verloren hat. Seine Berufung ist zu einem Beruf geworden. Schafft er es noch, Begeisterung zu entfachen? Ich glaube nicht. Er ist zutiefst zu bedauern.

Edgar Cayce wird heute auch der „Vater der ganzheitlichen Medizin“ genannt. Als Mystiker und Kanal des Höheren Selbst berührt er mit seinem umfangreichen Werk auch heute noch, 68 Jahre nach seinem Tod, Menschen weltweit. Bücher über sein Werk gibt es in zahlreichen Sprachen. Die „Suche nach Gott“-Bände helfen Menschen auf der ganzen Welt, zu ihrem wahren Selbst zu finden.

Nur das, was man mit Hingabe, Leidenschaft und vor allem mit Liebe tut, hat Bestand.

Wellness 2

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