Ich will

Lieber Helge, dieser Artikel ist Dir gewidmet, wegen Deiner Worte, die mich oft zum Nachdenken bringen, Deiner Geduld, die Du uns allen immer wieder zeigst, und Deinem Schweigen auch dann, wenn Du jede Menge zu sagen hättest …

Neulich hörte ich diese kleine Anekdote: „Ein Mann kam zu Buddha und sagte: Ich will Zufriedenheit. Und Buddha sagte: Lass das ‚Ich‘ weg, das ist Ego. Dann lass das ‚will‘ weg, das ist Verlangen. Und dann sieh was übrig bleibt: Zufriedenheit.“

Diese Geschichte hat mich zu so einigen Nachdenkereien angeregt, aber zu einem richtigen Ergebnis bin ich nicht gekommen. Naja, mal schauen, vielleicht springen ja ein paar Anregungen dabei raus – wer weiß? 😉

1. Nachdenkerei: Ich = Ego?
Wenn man so manche Texte liest, bekommt man den Eindruck, das Ego sei nicht unbedingt wünschenswert. Vielfach wird einem gesagt, man müsse es überwinden, weil man nur so zu wahrer Spiritualität gelangen könne. Aber ist das wirklich so? Heißt das nicht, dass wir dann einen wesentlichen Teil von uns aufgeben müssen? Denn mal ganz ehrlich: Wenn alles seinen Sinn hat, so hat es auch einen Sinn, dass der Mensch ein Ego hat. Nun bin ich kein Experte, aber wenn ich das „Ego“ rein gefühlsmäßig definieren müsste, würde ich sagen, es bezeichnet das „Getrenntsein vom Ganzen“. Das kann durchaus nützlich sein; es kann uns zum Beispiel ein gewisses Selbstwertgefühl geben, was hier in dieser materiell orientierten Welt bitter nötig ist. Es ist, wenn nichts anderes, bestimmt eine lohnenswerte Erfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann. Wir dürfen an dieser Stelle nur nicht stehenbleiben oder gar „selbstzentriert“ werden. Es darf es uns nicht beherrschen.
In der Philosophie, wie Edgar Cayce sie in seinen Readings angab, heißt es, das Ego sei „das Verlangen, anders zu handeln als nach dem Willen Gottes. Wenn die Seele zu Gott zurückkehrt, wird das Ego freiwillig aufgegeben.“* Wir können es aber jetzt schon transzendieren, das heißt, darüber hinausgehen. Das schaffen wir, wenn wir uns ein höheres Ideal setzen und zu der Erkenntnis gelangen, dass wir ja überhaupt nicht getrennt vom Ganzen sind!

2. Nachdenkerei: „will“ bedeutet, dass mir etwas fehlt, dass ich etwas brauche, und es bezieht sich eindeutig auf die Zukunft. Bekommen wir denn das Angestrebte, wenn wir bei dem „will“ bleiben? Ich will dieses Produkt. Ich will mehr Wohlstand. Ich will mehr Freude. Ich will geduldig sein. (Übrigens: Geduldig – erinnert Ihr Euch an den Artikel? Bei mir hapert’s doch noch sehr an der Praxis … oder „will ich“ vielleicht zuviel?) Ich will, ich will, ich will …
Wie wäre es, wenn wir zur Abwechslung mal sagen „Ich bin“ oder „Ich habe“? Ich habe Wohlstand. Ich habe Freude. Ich bin geduldig. Usw., usf. Klingt das nicht gleich ganz anders? Irgendwie gegenwärtiger? Wie fühle ich mich dabei? Froher? Dankbarer? Bin ich dankbar für das, was ich JETZT, in diesem Augenblick, habe und erlebe? Vielleicht sollte man sich mal über das Wörtchen „Dankbarkeit“ und darüber, wie diese sich auf das Gesetz der Anziehung auswirkt, Gedanken machen?

Und dann habe ich noch diesen Auszug aus Reading 2842-2 gefunden:
„Frage: Habe ich das Recht, Fülle zu fordern [ich will] oder sollte ich mit meinem kleinen Einkommen zufrieden sein?
Antwort: Sei zufrieden mit dem, was du hast, aber sei niemals zufriedengestellt von dem, was du hast! Fülle ist das Los dessen, der mit den Wahrheiten der Schöpferischen Energie im Einklang ist.“

3. Nachdenkerei: Wann sind wir denn überhaupt zufrieden? Und was ist eigentlich Zufriedenheit? Das konnte ich für mich nie so ganz genau definieren. Generell würde ich sagen, wenn man zufrieden ist, lebt man mit sich selbst und seinen Mitmenschen in Frieden und man ist dankbar für das, was man hat. Das ist die Theorie. In den Readings finden wir so einiges zu diesem Thema; dort wird zwischen (a) „contentment“ und (b) „satisfaction“ unterschieden. Oft werden beide Begriffe ziemlich ungenau mit „Zufriedenheit“ übersetzt. Ich persönlich würde allerdings (a) mit „Zufriedenheit“ und (b) mit „Zufriedenstellung“ (im Sinne von vorübergehend) übersetzen.

In Reading 262-24 wurde Edgar gefragt:
„[Erkläre] ‚Zufrieden, jedoch nicht zufriedengestellt‘.
Antwort: Zufrieden in diesem Sinne: ‚Möge Dein Weg beschritten werden, Herr. Nutze mich als Deinen Kanal. Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe.‘ Das ist zufrieden.
Zufriedengestellt bedeutet befriedigt und es ist der Anfang vom Absturz, denn dann wird das Selbst verherrlicht.“

Und in Reading 262-121 heißt es:
„Lehre dich selbst, andere zu lehren, geduldig zu sein, zufrieden zu sein; nicht zufriedengestellt, sondern zufrieden im Sinne des Herrn!“

Vielleicht habe ich Euch ja jetzt auch zum Nachdenken gebracht? 😉

*(Zitat aus: Edgar Cayce, Die Geschichte eines schicksalhaften Lebens von Tom Sugrue)

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