Wertschätzung und Geld

„Das ist mir zu teuer. Wenn Sie mit dem Preis nicht runter gehen, kaufe ich nicht. Sowas können wir uns nicht leisten. Für spirituelles Heilen darf man kein Geld verlangen. Edgar Cayce war keineswegs damit einverstanden, vermarktet zu werden. Es ist nicht in seinem Sinne, die Readings zu kommerzialisieren.“

Foto: S. Piel

Kommt Dir so eine Redeweise bekannt vor? Du und ich, wir benutzen sie auch – so und auf andere Art. Ob es um Kleidung, Lebensmittel, Elektroartikel oder auch menschliche Hilfeleistung geht – es muss alles möglichst billig sein. Geiz ist geil, wie es einst eine Elektromarktkette propagierte. Qualität ist zweitrangig geworden.

Ich merke das auf allen Ebenen: In meinem Übersetzer-Business, in der Zunahme von Billigläden, in tausenden von Lebensmittel-Sonderangeboten, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag), usw. usf. Statt „weniger ist mehr“ muss es möglichst viel für möglichst wenig Gegenwert sein.

Die Geldmentalität

Es ist paradox: Auf der einen Seite wollen wir alle anständig verdienen, auf der anderen billig einkaufen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen, die uns schon jetzt sauer aufstoßen (Aufgeben vieler Landwirte, Verlagerung von Produktion ins Ausland, dadurch mehr Arbeitslosigkeit im Lande, Mindestlohndebatte, Kinderarbeit in Billiglohnländern usw.) hat das Ganze noch einen anderen schalen Beigeschmack. Denn wir reden uns damit selbst einen Mangel ein.

©Sergey Galushko – Fotolia.com

Auch bei so genannten „spirituellen“ Themen fällt mir dieses Mangeldenken auf. Therapeuten zum Beispiel, die mit Geistigem Heilen wie z. B. Reiki, Reconnective Healing und anderen spirituellen Heilweisen arbeiten, wissen davon ein Lied zu singen. „Für so etwas darf man doch kein Geld nehmen!“ ist am gängigsten. Wovon die Therapeuten dann leben sollen, wird nicht verraten.

Wertschätzung

Nur mal so nebenbei: Wie sehr schätzt Du eigentlich das wert, was Du hast, was Du bist, WER Du bist? Wie sehr schätzt Du die Leistungen anderer Menschen wert? Wie sehr schätzt Du z. B. den Wert Deiner Nahrungsmittel? Und inwieweit beeinflusst diese Wertschätzung Deine Geldmentalität? Welche Prioritäten setzt Du?

Das „Darf nichts kosten“-Argument höre ich auch immer wieder, wenn es um das Cayce-Werk geht. „Edgar Cayce hätte bestimmt nicht gewollt, vermarktet zu werden, er wollte, dass alle Menschen Zugang zu den Readings haben.“ Oder „Nicht im Sinne von Edgar Cayce, seine Readings mit Copyrights zu belegen und komplett zu kommerzialisieren, aber sicherlich gut für seine Nachkommen.“ Oder (den liebe ich): „Edgar Cayce hat seine Readings immer umsonst gegeben, er wollte kein Geld dafür“.

Klarheit schaffen

Tschuldigung wenn ich das jetzt so grob sage, aber das ist ausgemachter, hausgemachter Quatsch! Zugegeben, Edgar WOLLTE, dass möglichst viele Menschen Zugang zu den Readings haben. Aber nicht „für umsonst“! Dazu geistert im Netz so einiger Mist herum, auch in Videos. Grund genug, da mal Klarheit zu schaffen.

In Reading 254-2 vom 19. März 1919 lese ich:

Wenn dem Werk auf materielle Weise Glauben geschenkt wird, ist jeder willig, auf finanzielle Weise für diese Informationen zu zahlen; doch ohne Glaubwürdigkeit kann nichts erlangt werden.

Dieses Reading wurde zu einer Zeit gegeben, in der Edgar mit dem Gedanken spielte, sein Fotostudio aufzugeben und nur noch seiner Gabe zu leben. Die Leitung des Readings hatte seine Frau Gertrude und ihre Fragen lassen darauf schließen, dass sie zutiefst besorgt war. Immerhin hatte sie ein Jahr zuvor einem zweiten Kind das Leben geschenkt und die Familie brauchte Sicherheit, die sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hatte.

Aber vielleicht willst Du die ganze Geschichte lesen?

Rückblick

Lange Zeit misstraute Edgar seiner Gabe. Er wollte nichts davon wissen und ein normales Leben führen. Wegen einer Stimmbandlähmung erlernte er den Beruf eines Fotografen. Dabei blieb er auch, nachdem er seine Sprechfähigkeit durch ein eigenes Reading wiedererlangt hatte. Ein junger Homöopath wollte Nutzen aus dieser Gabe ziehen und bot Edgar eine Zusammenarbeit an. Edgars Bedingung: Er wollte kein Geld, verlangte aber und bekam ein voll ausgestattetes Fotostudio für seine Hilfe. Davon wollte er leben.

Foto: Edgar Cayce, ©ECF

Nachdem die Zusammenarbeit beendet war, lebten Edgar und seine Familie in verschiedenen Städten von Edgars Fotokunst und Edgar gab ab und zu Readings für Verwandte und Bekannte, meist heimlich, weil er nicht als Freak dastehen wollte. Als Gegenleistung bekam er oft Lebensmittel oder andere Dinge, die seine Familie brauchte.

Ab 1919 widmete er sich immer mehr seiner Gabe und unternahm allerlei Abenteuer, um Geld für ein Krankenhaus zu bekommen, in dem nach seinen Readings behandelt werden sollte (aber nicht kostenlos!). Doch alle Unternehmungen endeten in einem Fiasko.

Mitte der zwanziger Jahre traf er seinen Förderer, den Börsenmakler Morton Blumenthal, von dem er mehrere Jahre lang fast vollständig finanziell abhängig war. Morton finanzierte den Umzug nach Virginia Beach, er kaufte ein Haus für die Cayces, bezahlte die College-Ausbildung des ältesten Sohnes, plante und realisierte das ersehnte Krankenhaus und bezahlte für die Readings, die er bekam. Dafür verlangte er, dass Edgar ihm sozusagen immer zur Verfügung stand, was Edgar nicht immer leisten konnte und wollte.

Bittere Zeiten und Neuanfang

Das Zerwürfnis ließ nicht lange auf sich warten und es kam zu hässlichen Szenen. Im Zuge der Wirtschaftskrise musste dann das Krankenhaus schließen und die Cayces waren gezwungen, umzuziehen. In der Folge gründete Edgar 1931 mit einigen Getreuen die gemeinnützige Organisation „Association for Research and Enlightenment“ (Gesellschaft für Forschung und Erleuchtung), kurz A.R.E. genannt.

Die A.R.E. hatte und hat die Aufgabe, Menschen zu helfen, ihr Leben erfüllter und bewusster zu gestalten, und zwar indem die Konzepte aus den Readings erforscht, zugänglich gemacht und praktisch angewendet werden. Heute arbeiten bei der A.R.E. viele Menschen, die mit zahlreichen wichtigen Aufgaben betraut sind.

Edgar und seine Getreuen beschlossen, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zu erheben und Readings nur für Mitglieder zu geben. Diese Vorgehensweise hatte den Vorteil, dass sie Edgar und seine Familie mit einem bescheidenen Einkommen versorgte und den Betrieb der Organisation ermöglichte. Viele Mitglieder bezahlten für zusätzliche Readings und gaben auch Spenden. In besonderen Notfällen wurde der Beitrag auch mal erlassen.

Zugang zu den Readings

Foto: Stefanie Piel

Vor seinem Tod bestimmte Edgar, dass die Originale der Reading-Niederschriften in das Eigentum seiner beiden Söhne und seiner Sekretärin übergehen sollten. 1948 überschrieben diese die Readings der Stiftung „Edgar Cayce Foundation“ , die der A.R.E. angegliedert ist, und der Staat Virginia übertrug der Stiftung die alleinige, dauerhafte, gesetzliche und physische Obhut über alle historischen Ressourcen zu Edgar Cayce und seinem Werk.

Wer die Readings einsehen möchte, kann das heute jederzeit tun. Vor Ort ist das große Bibliotheksgebäude, in dem auch Kopien der Readings kostenlos einsehbar sind. Ansonsten gibt es zwei Möglichkeiten, die Readings einzusehen:

  1. Man kauft sich die DVD mit allen derzeit bekannten Readings für 119 US-Dollar + Versand. (Schau mal, wieviel eine (Online)-Tageszeitung heutzutage monatlich kostet.)
  2. Man wird Online-Mitglied der A.R.E. für jährlich 39 US-Dollar und erhält vollen Online-Zugriff auf alle Readings und zahlreiche zusätzliche Leistungen. Mit den Beiträgen finanziert man außerdem die Arbeit der A.R.E. (siehe „Financials“ ).

Zugegeben: Die Readings sind alle auf Englisch. Aber was erwartest Du? Dass sich Leute finden, die sie kostenlos für Dich übersetzen? Abgesehen von dem Copyright, das vor missbräuchlicher Verwendung schützen soll: Was für eine Qualität könnte das wohl sein?

Und wenn Du Profis wie mich haben willst, die diplomierte Übersetzer sind, schon Readings übersetzt haben und sämtliche Themen kennen – wer soll ihren Lebensunterhalt finanzieren, während sie jahrelang daran übersetzen? Immerhin sind es über 14.300 Readings, die zum Teil mehrere Seiten lang und oft so kompliziert wie Vertragstexte sind.

Geld ist Energie!

Geld ist letztlich nichts weiter als Energie. Die Scheine und Münzen, die Du in der Hand hältst, sind nur Ausdruck dafür. Leider sind die meisten von uns von Kindheit an derart konditioniert, dass Geld einen schlechten Ruf hat. Komischerweise wollen wir trotzdem immer mehr davon!

© Maridav – Fotolia.com

Davon schließe ich mich überhaupt nicht aus. Im Gegenteil: Ich lerne gerade in diesen Wochen, dazu zu stehen. Ja, Geld ist etwas Wunderbares. Man kann damit unendlich viel Gutes in der Welt tun und natürlich auch sich selbst. Man kann andere Menschen und sich selbst damit wertschätzen.

Vielleicht gefällt Dir das Wort „Fülle“ besser. Es ist umfassender. Doch kannst Du Fülle haben, wenn Du immer noch im Mangeldenken („Das kann ich mir nicht leisten?“) verhaftet bist?

Geld ist Energie. Doch wie Du diese Energie einsetzt, das bleibt Dir überlassen. Du kannst sie für oder gegen Dich, für oder gegen Deine Mitmenschen nutzen. Wie alles im Leben.

Und vielleicht möchtest Du mal versuchen, wie es sich anfühlt, aus dem Mangeldenken herauszukommen? Frage Dich doch einmal: Was bist Du Dir wert? Und was bist Du bereit, dafür zu tun?

Herzlichst,
Deine Stefanie

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